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Dossier für Geschäftsleitung und Finanzen

Der Business Case: Was belegt ist, was umstritten ist, und was wir Ihnen nicht versprechen

Der wirtschaftliche Nutzen betrieblicher Gesundheitsförderung ist schwächer belegt, als der Markt behauptet. Wer die verbreiteten Renditezahlen nachrecherchiert, landet bei einer Literaturübersicht von 2008, die eine Quelle von 2003 zitiert, die US-Studien der Jahre 2000 bis 2006 zusammenfasst.

Diese Seite legt die Gegenevidenz zuerst auf den Tisch und baut danach den engeren Fall, der einer Prüfung standhält. Wir nennen Ihnen keinen ROI. Wir zeigen Ihnen, was gut belegt ist, was umstritten ist, und wo in der Schweiz das Geld wirklich liegt.

Stand: September 2026. Nächste Überprüfung: Q1 2027, wenn der Job-Stress-Index 2026 erscheint.

  • 1,8ROI in den methodisch besten Studiengegenüber 2,7 im Gesamtdurchschnitt; iga.Report 40, 2019
  • 83 %der bisherigen Schätzungen schliesst die beste RCT ausJones, Molitor und Reif, Quarterly Journal of Economics, 2019
  • 33,7 Mrd.CHF Produktionsverluste durch Präsentismus in der Schweizgegenüber 18,6 Mrd. durch Absentismus; BAG, 2025, Daten 2022

Auf einen Blick

  • Die im Markt übliche Renditespanne stammt aus einem Zitat eines Zitats und beruht auf US-Studien von 2000 bis 2006.
  • Die drei am besten angelegten Untersuchungen der letzten Jahre fanden keinen wirtschaftlichen Effekt.
  • Der Flaggschiffbericht der Branche selbst nennt in randomisiert-kontrollierten Studien einen ROI von 1,8, bei über 50 % ohne jede Ersparnis.
  • In der Schweiz kostet Präsentismus 1,8-mal so viel wie Absentismus. Die Hälfte des Problems steht nicht in Ihrer Absenzenstatistik.
  • Die einzige echte Schweizer Wirtschaftlichkeitsstudie rechnet mit rund fünf Jahren bis zum Break-even und hat die Arbeitszeit der Teilnehmenden als Kosten mitgerechnet.
  • Gut belegt ist etwas anderes als Kostenersparnis: Vorsorge am Arbeitsplatz erhöht die Inanspruchnahme.

Die Zahl, die Sie überall finden

«ROI 1:2,5 bis 1:4,8.» Diese Spanne finden Sie auf Dutzenden deutschsprachigen Anbieterseiten. Wir verwenden sie nicht. Hier ist, woher sie stammt.

Die Spur führt zu iga-Report 13 aus dem Jahr 2008. Dort steht wörtlich: «Die Studien gehen bei den Krankheitskosten von einem Kosten-Nutzen-Verhältnis (Return on Investment, ROI) von 1:2,3 bis 1:5,9 aus. Die Einsparungen bei den Fehlzeiten werden zwischen 1:2,5 bzw. 1:4,85 bis 1:10,1 angegeben (vgl. Kreis u. Bödeker 2003).»

Vier Dinge sind daran bemerkenswert:

  • Es ist keine Erkenntnis von iga-Report 13. Der Bericht zitiert Kreis und Bödeker aus dem Jahr 2003. Ein Zitat eines Zitats.
  • Die zugrunde liegenden Arbeiten sind US-Studien der Jahre 2000 bis 2006, teilweise mit noch älteren Daten. Gesundheitssystem, Kostenstruktur und Arbeitsrecht sind nicht auf die Schweiz übertragbar.
  • Sie sind ganz überwiegend nicht randomisiert. Genau dieses Design produziert, wie später gezeigt wurde, überhöhte Ergebnisse.
  • Die im Markt kursierende Spanne «1:2,5 bis 1:4,8» steht in keiner der beiden Originalspannen. Sie ist eine Zusammenziehung zweier verschiedener Grössen.

Der Bericht widerspricht der Marketingverwendung seiner eigenen Zahlen:

«Der Mangel an Analysen und einer einheitlichen Methodik sowie Qualitätsmängel bei der Evaluation von Programmen erschweren die Bestimmung des gesundheitlichen und ökonomischen Nutzens insgesamt.»

«Daraus resultiert, dass die Evidenzbasis für einen monetären Nutzen der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention in Bezug auf die Arbeitsleistung aktuell noch stark limitiert ist.»

iga-Report 13, 2008
Umstritten

Quelle: Initiative Gesundheit und Arbeit (iga), Sockoll I, Kramer I, Bödeker W, iga-Report 13: Wirksamkeit und Nutzen betrieblicher Gesundheitsförderung und Prävention, Evidenz 2000 bis 2006 (2008, Daten 2000 bis 2006)

Wir zitieren diesen Bericht ausschliesslich, um die Herkunft der Zahl zu zeigen, nicht als Beleg.

Die zweite Quelle: eine Auswertung im Bestfall-Modus

Die zweite oft zitierte Grundlage ist Chapmans Meta-Evaluation von 2012 mit Werten wie «minus 25 % Fehlzeiten» und einem Kosten-Nutzen-Verhältnis von 5,56. Die Auswertung nennt ihre Einschränkungen selbst.

  • Ausgewertet wurde jeweils die Gruppe mit der intensivsten Intervention über den längsten Zeitraum. Der Autor schreibt selbst, dieses Vorgehen erzeuge wahrscheinlich ein «best-case scenario».
  • Die Mittelwerte sind nicht nach Stichprobengrösse gewichtet.
  • Als Kontrollgruppe durften die Teilnehmenden selbst dienen. Das ist genau das Design, das Selbstselektion zerstört.
  • Der Autor ist Geschäftsführer eines Anbieters von BGM-Ausbildungen, Verfasser der Auswertung und Herausgeber der Reihe, in der sie erschien.
Umstritten

Quelle: Chapman LS, The Art of Health Promotion / American Journal of Health Promotion, Meta-Evaluation of Worksite Health Promotion Economic Return Studies: 2012 Update (2012)Der Autor ist zugleich Geschäftsführer des Chapman Institute und Herausgeber der Publikationsreihe, in der die Auswertung erschien.

Was die besten Studien gefunden haben

Seit 2010 sind mehrere sehr grosse, sehr sauber angelegte Untersuchungen erschienen. Sie kommen zu einem anderen Ergebnis als die Marktliteratur.

83 %der bisherigen Schätzungen zu Krankheitskosten und Fehlzeiten schliesst die Illinois-Studie ausWörtlich aus der Zusammenfassung: «Our 95% confidence intervals rule out 83 percent of previous estimates on medical spending and absenteeism.» Im Klartext: dieses randomisierte Experiment schliesst fünf von sechs der bis dahin publizierten Einsparungswerte statistisch aus.

Untersucht wurde genau das Modell, um das es hier geht: jährliches biometrisches Screening vor Ort, eine Gesundheitsbefragung und wöchentliche Aktivitäten. In 37 von 39 untersuchten Grössen fand sich im ersten Jahr kein signifikanter Effekt, und das bei einer Teilnahmequote von über 56 %, also deutlich über dem Branchenüblichen.

Und die Erklärung, warum die alten Zahlen zu hoch waren

Die Studie fand eine ausgeprägte Selbstselektion: Teilnehmende hatten bereits vor Programmbeginn 1’393 US-Dollar tiefere jährliche Gesundheitsausgaben als Nichtteilnehmende. Wer in Beobachtungsstudien Teilnehmende mit Nichtteilnehmenden vergleicht, misst also zu einem grossen Teil, wer sich anmeldet, und nicht, was das Programm bewirkt.

Gut belegt

Quelle: Jones D, Molitor D, Reif J, Quarterly Journal of Economics 134(4):1747-1791, What Do Workplace Wellness Programs Do? Evidence from the Illinois Workplace Wellness Study (2019)Randomisierte kontrollierte Studie, n = 4’834, Arbeitgeber mit über 12’000 Beschäftigten, Teilnahmequote über 56 %, präregistriert (AEARCTR-0001368) und unabhängig repliziert.

2von 80 untersuchten Ergebnisgrössen waren signifikant, bei 32’974 BeschäftigtenBeide signifikanten Ergebnisse waren selbst berichtet: regelmässige Bewegung und aktives Gewichtsmanagement. Kein signifikanter Effekt zeigte sich bei zehn klinischen Messwerten, bei 38 Grössen zu Gesundheitsausgaben und Inanspruchnahme und bei allen drei Beschäftigungsgrössen, darunter Fehlzeiten.
Gut belegt

Quelle: Song Z, Baicker K, JAMA 321(15):1491-1501, Effect of a Workplace Wellness Program on Employee Health and Economic Outcomes (2019)Cluster-randomisiert über 160 Standorte, 32’974 Beschäftigte, 18 Monate. Finanziert von NIA, Robert Wood Johnson Foundation und J-PAL, nicht von der Branche.

In einer britischen Erhebung mit über 46’000 Beschäftigten aus 233 Organisationen zeigten Resilienztrainings, Achtsamkeitsangebote, Wohlbefindens-Apps, Stressmanagement, Coaching, Entspannungskurse, Schlafprogramme und Finanzberatung keine messbaren Unterschiede im Wohlbefinden zwischen Teilnehmenden und Nichtteilnehmenden. Die einzige Ausnahme mit positivem Zusammenhang war die Möglichkeit zu freiwilligem Engagement.

Umstritten

Quelle: Fleming WJ, Industrial Relations Journal 55(2):162-182, Employee well-being outcomes from individual-level mental health interventions (2024)Querschnittsstudie mit über 46’000 Beschäftigten in 233 Organisationen. Nicht randomisiert: Selbstselektion lässt sich nicht ausschliessen.

Querschnittstudie, nicht randomisiert. Dass sich gerade Belastete anmelden, lässt sich nicht ausschliessen. Der Autor sagt das selbst, und wir sagen es hier mit.

Die beste jüngere systematische Übersicht zum Thema wertete 141 Arbeiten mit 138 Interventionen aus. Positive Renditen fanden sich bei 56,5 %, negative bei 8,7 %, neutrale bei 9,4 %, unbestimmte bei 25,4 %. Der entscheidende Satz für eine ehrliche Seite ist ein anderer: bei randomisiert-kontrollierten Studien ist der Anteil positiver Ergebnisse geringer als bei anderen Designs.

«those results are illustrations, rather than a demonstration of the return of investment of prevention»

Thonon u. a., European Journal of Public Health, 2023
Gut belegt

Quelle: Thonon F u. a., European Journal of Public Health 33(4):612-618, Return on investment of workplace-based prevention interventions: a systematic review (2023)141 Artikel, 138 Interventionen.

Die Wendung, die man kennen sollte

Der meistzitierte Beleg für einen wirtschaftlichen Nutzen ist Baicker, Cutler und Song (2010) mit 3,27 US-Dollar tieferen Krankheitskosten und 2,73 US-Dollar tieferen Fehlzeitkosten je investiertem Dollar, aus überwiegend nicht randomisierten Studien. Dieselbe Erstautorin hat neun Jahre später die grosse randomisierte Studie mitverfasst, in der weder bei den Ausgaben noch bei den Fehlzeiten ein Effekt nachweisbar war. Das ist kein Vorwurf, sondern normale Wissenschaft. Aber es beendet die Diskussion über die Belastbarkeit der alten Zahl.

Der ehrlichste Wert stammt von der Branche selbst

Man muss diese Argumentation nicht mit anbieterkritischer Literatur führen. Der Flaggschiffbericht der deutschsprachigen BGM-Welt enthält sie selbst, herausgegeben von den gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherern, nicht von Anbietern.

2,7mittlerer ROI über alle eingeschlossenen StudienMittelwert aus 47 Einzelwerten, Spannbreite von minus 3,3 bis 15,6. Das Maximum stammt aus einer einzigen US-Studie.
1,8mittlerer ROI in den qualitativ hochwertigen StudienIn dieser Gruppe konnten 27 % der Studien gar keine Einsparung nachweisen.

Drei Sätze aus dem Bericht, die im Markt praktisch nie zitiert werden:

«Hiernach zeigt sich, dass die mit hoher Qualität bewerteten Studien mit einem ROI von 1,8 den durchschnittlich geringsten Wert aufweisen. 27 Prozent dieser Studien konnten keine Einsparung nachweisen.»

«Obwohl auch die Studien mit einem randomisiert-kontrollierten Design einen mittleren ROI von 1,8 ergeben, zeigen hier mehr als 50 Prozent der Studien keine Ersparnis.»

«Trotz der überwiegend positiven Ergebnisse kann aufgrund der oftmals geringen Qualität der eingeschlossenen Studien allerdings nur von begrenzter Evidenz gesprochen werden.»

iga.Report 40, 2019

Für einen Schweizer Betrieb ist eine weitere Zahl aus demselben Bericht die relevanteste: die fünf in Europa durchgeführten Studien ergeben ein «indifferentes Bild» mit einem mittleren ROI von 1,7. Alle Folklorewerte sind US-amerikanisch. Der übertragbarste Wert in der gesamten Literatur liegt unter 2.

Umstritten

Quelle: Initiative Gesundheit und Arbeit (iga), Barthelmes I, Bödeker W, Sörensen J u. a., iga.Report 40: Wirksamkeit und Nutzen arbeitsweltbezogener Gesundheitsförderung und Prävention (2019, Daten Studien 2012 bis 2018)49 systematische Reviews mit über 900 Einzelstudien. iga wird von den deutschen gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherern getragen, nicht von Anbietern.

Derselbe Bericht hält ausserdem fest, dass über Teilnahmequoten und Rekrutierungswege in der Literatur nur unzureichend berichtet wird und dass kein einziger der ausgewerteten Reviews Aussagen dazu macht, ob sich Massnahmen auf andere Unternehmen übertragen lassen. Das ist ein sauber belegter Grund, warum kein Anbieter Ihnen ein bestimmtes Ergebnis für Ihr Haus versprechen kann.

Warum die Studien nichts gefunden haben

Die Nullbefunde sind keine Absage an Prävention. Sie sagen etwas darüber, wie diese Programme gebaut waren. Jeder der fünf Gründe ist ein Konstruktionsprinzip.

1. Die Programme waren allgemein statt gezielt.
Bei PepsiCo über sieben Jahre sparte das Disease Management 136 US-Dollar pro Mitglied und Monat bei 29 % weniger Spitaleintritten. Das allgemeine Lifestyle-Programm für alle sparte nichts. Wer Menschen findet, die Versorgung brauchen, und sie dorthin bringt, erzeugt Wirkung. Wellness für alle nicht. Caloyeras u. a., Health Affairs, 2014
2. Die Beteiligung war zu tief, gerade dort, wo es zählt.
Von den Personen, bei denen ein Bedarf festgestellt wurde, nahmen nur 7 bis 21 % am weiterführenden Programm teil. RAND, 2013
3. Der Beobachtungszeitraum war zu kurz.
18 bis 24 Monate sind für chronische Erkrankungen sehr kurz. Die einzige Schweizer Wirtschaftlichkeitsstudie kommt auf einen Break-even nach rund fünf Jahren, siehe Kapitel 5.
4. Selbstselektion hat die alten Beobachtungsstudien aufgebläht.
Siehe die 1’393 US-Dollar Ausgabendifferenz vor Programmbeginn in Kapitel 2.
5. Individuelle Massnahmen können strukturelle Ursachen nicht beheben.
Wenn eine Abteilung überlastet ist, ist die Antwort eine Änderung der Arbeitsbedingungen, nicht ein weiterer Kurs. Diese Schlussfolgerung zieht Fleming aus der 46’000-Personen-Erhebung ausdrücklich.

Was wir daraus machen

Gezielt statt flächendeckend. Terminvergabe statt Angebot. Ein benannter nächster Schritt für jeden Befund. Mehrjährig statt einmalig. Und die Bereitschaft, in der Auswertung auf Arbeitsbedingungen zu zeigen statt auf das Verhalten der Belegschaft.

Die einzige Schweizer Wirtschaftlichkeitsstudie

Es gibt genau eine echte Schweizer Wirtschaftlichkeitsstudie zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. Sie wird im Markt fast nie zitiert. Wahrscheinlich, weil ihr Ergebnis unspektakulär ist.

knapp 3Jahre nach Projektabschluss bis zu einem ROI von 1Bei einem Programm, das selbst 2,5 Jahre dauerte. Vom Kick-off bis zum Break-even sind das rund fünf Jahre.

Das Bemerkenswerte an SWiNG ist die Kostenseite. Die Gesamtkosten von 3,6 Millionen Franken bestehen je zur Hälfte aus direkten Programmkosten und aus den Produktivitätsverlusten durch die Arbeitszeit der Teilnehmenden. Fast keine ROI-Studie in der internationalen Literatur rechnet die Arbeitszeit der Teilnehmenden mit. Genau diese Auslassung ist der häufigste methodische Vorwurf an das Feld.

Auf der Nutzenseite konnten die Autoren nur die geringeren Absenzen und die höhere Arbeitsleistung in Franken bewerten. Geringere Fluktuation, tiefere Gesundheitskosten und die Lebensqualität der Mitarbeitenden liessen sich mangels Datenqualität nicht berechnen. Die Autoren schreiben deshalb selbst, der Nutzen werde eher unterschätzt.

Gut belegt

Quelle: Gesundheitsförderung Schweiz und Schweizerischer Versicherungsverband; Evaluation ISPM Universität Zürich, ETH Zürich, WIG ZHAW, Projekt SWiNG, Schlussbericht der Evaluation (2011, Daten 2008 bis 2011)8 Betriebe, über 5’000 Mitarbeitende. Die Feldphase ist heute über 15 Jahre her.

Die Feldphase liegt 2008 bis 2011 und ist damit über 15 Jahre alt. Wir kennen keine neuere Schweizer Untersuchung dieser Art.

Der Satz, um den es geht

Die einzige echte Schweizer Wirtschaftlichkeitsstudie zum BGM rechnet mit rund fünf Jahren bis zum Break-even, und sie hat die Arbeitszeit der Teilnehmenden als Kosten mitgerechnet. Wer Ihnen einen ROI im ersten Jahr verspricht, rechnet anders.

Die Schweizer Zahlen, die wirklich zählen

Die belastbaren Zahlen für einen Schweizer Business Case sind nicht die importierten Renditen. Es sind die offiziellen Schweizer Statistiken, und sie erzählen eine andere Geschichte als die, die im Markt geführt wird.

70,5 Mrd.CHF Produktionsverluste pro JahrGesamte krankheitsbedingte Produktionsverluste in der Schweiz, 2022. 2012 waren es 61,7 Mrd.
33,7 Mrd.CHF durch Präsentismus, gegenüber 18,6 Mrd. durch AbsentismusDavon entfallen auf Präsentismus 33,7 Mrd. und auf Absentismus 18,6 Mrd. Präsentismus kostet die Schweiz also rund das 1,8-Fache des Absentismus.

Zwischen 2012 und 2022 sind die Verluste durch Absentismus um 73 % gestiegen, die durch Präsentismus nur um 5 %. Die grössten Belastungen verursachten muskuloskelettale und psychische Krankheiten mit je 17 %, gefolgt von kardiovaskulären mit 7 % und neurologischen mit 6 %.

Gut belegt

Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG), Bericht von ZHAW WIG, Universität Luzern und BFH, Kosten der übertragbaren und nichtübertragbaren Krankheiten sowie Kosten der Risikofaktoren Übergewicht/Adipositas und Bewegungsmangel in der Schweiz, Schlussbericht Version 2.0 (2025, Daten 2022)Humankapital-Ansatz. Der Präsentismus wurde mangels eigener Statistik allein aus der Job-Stress-Umfrage geschätzt; 41,2 % der Präsentismus-Verluste liessen sich keiner Ursache zuordnen.Hinweis zur Zahl 18,6: Der Schlussbericht nennt für Absentismus CHF 18,6 Mrd. Sekundärquellen, darunter der ZHAW-Blog, geben 18,0 Mrd. an. Wir verwenden den Wert aus dem Bericht selbst.

Der Bericht nennt seine Grenzen selbst: der Präsentismus wurde mangels eigener Statistik allein aus der Job-Stress-Umfrage geschätzt, und 41,2 % der Präsentismus-Verluste liessen sich keiner Ursache zuordnen. Bei den Absenzen sind es 22 %.

Die Konsequenz für Ihre Zahlen

Die Kennzahl, die Ihre Geschäftsleitung monatlich sieht, ist die Absenzenquote. Sie erfasst die kleinere Hälfte des Problems. Die grössere Hälfte sitzt am Arbeitsplatz und arbeitet eingeschränkt. Ein Angebot, das unbehandelte Beschwerden bei Menschen findet, die noch zur Arbeit kommen, ist konstruktionsbedingt eine Präsentismus-Massnahme. Belegen können wir damit ein Zugangsproblem, keine Einsparung.

8,5Absenztage je Vollzeitstelle und Jahr in der SchweizKrankheits- und unfallbedingte Absenztage je Vollzeitstelle, 2024. 2023 waren es 7,6 Tage, 2010 waren es 6,3. Nach Branche reicht die Spanne von 5,4 Tagen in Information und Kommunikation bis 11,5 Tagen im Grundstücks- und Wohnungswesen; bei den 55- bis 64-Jährigen sind es 10,6 Tage.
Gut belegt

Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Arbeitsvolumenstatistik (AVOL), Absenzen (2025, Daten 2024)

Der Job-Stress-Index 2022 weist aus, dass 28,2 % der Erwerbstätigen im kritischen Bereich liegen, also mehr Belastungen als Ressourcen haben, und dass 30,3 % emotional erschöpft sind. Das darin ausgewiesene wirtschaftliche Potenzial von 6,5 Mrd. Franken teilt sich zu 76,9 % auf Präsentismus und zu 23,1 % auf Absentismus auf: dieselbe Richtung wie im Bericht des Bundes.

Ein Hinweis zur Ehrlichkeit der Reihe: der Wert lag 2020 bei 7,6 Mrd. und 2018 bei 6,5 Mrd. Das ist kein steigender Trend, und 2020 war ein Pandemiejahr. Wir stellen die Reihe deshalb nicht als Trend dar.

Gut belegt

Quelle: Gesundheitsförderung Schweiz, mit Universität Bern und ZHAW, Job-Stress-Index (2022, Daten 2022)Der Index wurde 2022 bis 2025 methodisch überarbeitet. Die Ergebnisse der Erhebung 2026 sind für das erste Quartal 2027 angekündigt.

Warum die Schweiz anders rechnet als Deutschland

Ein grosser Teil der deutschsprachigen BGM-Ratgeber, die Schweizer HR-Verantwortliche über eine Suchmaschine finden, beruht auf deutschem Sozialrecht. Für die Schweiz ist er schlicht falsch.

In Deutschland haben die gesetzlichen Krankenkassen eine gesetzliche Pflicht zur Mitfinanzierung betrieblicher Gesundheitsförderung. Ratschläge wie «lassen Sie sich das von der Krankenkasse bezuschussen», «achten Sie auf ZPP-Zertifizierung» oder der Verweis auf einen Steuerfreibetrag stammen alle aus diesem System.

In der Schweiz gibt es kein Gegenstück dazu. Gesundheitsförderung Schweiz hat einen gesetzlichen Auftrag nach Art. 19 KVG und wird nach Art. 20 KVG über einen Beitrag finanziert, den die Krankenversicherer bei allen Versicherten einziehen. Dieser Beitrag finanziert Programme, Instrumente und das Label Friendly Work Space. Er ist kein Fördertopf, aus dem ein Arbeitgeber einen Gesundheitstag bezahlen kann.

Für die Beschaffung heisst das zweierlei. Erstens trägt ein Schweizer Arbeitgeber praktisch die vollen Kosten selbst. Zweitens, und das ist der eigentliche Punkt dieser Seite: genau deshalb wird die Frage nach dem Nutzen in der Schweiz härter gestellt als in Deutschland, und genau deshalb ist eine ehrliche Antwort hier mehr wert.

Ein Hinweis in eigener Sache

Mehrere Schweizer Krankenversicherer bieten BGM-Leistungen kommerziell an oder als Zusatz zu einer bestehenden Versicherungsbeziehung. Das ist legitim, aber es ist etwas anderes als ein gesetzlicher Förderanspruch. Fünf der sechs Schweizer Absenzkostenrechner, die wir für diese Seite geprüft haben, gehören Versicherern, die im Krankheitsfall auch das Taggeld zahlen. Diese Interessenlage kann keiner dieser Anbieter selbst ansprechen. Wir können es.

Ob eine vom Arbeitgeber bezahlte Vorsorgeuntersuchung in der Schweiz eine steuerbare Gehaltsnebenleistung darstellt und im Lohnausweis zu deklarieren ist, konnten wir nicht abschliessend klären. Wir veröffentlichen dazu keine Aussage, bevor eine schriftliche Auskunft einer Steuerberatung vorliegt. Fragen Sie uns, wenn dieser Punkt in Ihrem Haus entscheidungsrelevant ist.

Absenzkosten-Rechner

Statt einer allgemeinen Behauptung eine Rechnung mit Ihren Zahlen. Sechs Schweizer Absenzkostenrechner sind uns bekannt. Keiner davon legt seine Formel offen. Dieser hier tut es.

Ihre Zahlen

Alle Felder sind überschreibbar. Die Voreinstellungen sind öffentliche Schweizer Werte mit Jahr und Quelle. Nichts wird gespeichert oder übermittelt: der Rechner läuft vollständig in Ihrem Browser.

Vollzeitäquivalente, nicht Kopfzahl.

AHV/IV/EO, ALV, UVG, FAK und BVG-Arbeitgeberanteil. Je nach Branche, Kanton und Vorsorgeplan üblicherweise 15 bis 22 %.

Krankheits- und unfallbedingt. BFS, Arbeitsvolumenstatistik (AVOL), Erhebungsjahr 2024

Annahme, keine Statistik. 220 entspricht 260 Wochentagen abzüglich Ferien und Feiertagen. Im Schweizer Markt kursieren auch 240 und 260; der Wert verändert das Ergebnis erheblich, deshalb steht er hier offen.

Wir listen nur Branchen, für die ein publizierter BFS-Wert vorliegt. Die Auswahl verändert den Vergleich weiter unten wirklich.

Die Formel

Direkte Absenzkosten = Vollzeitstellen × Absenztage je Vollzeitstelle × (Bruttojahreslohn × (1 + Lohnnebenkosten)) ÷ Arbeitstage

250 × 8,5 × (CHF 84’288 × 1,18) ÷ 220 = CHF 960’692

Das ist die geladene Lohnfortzahlung, die auf krankheits- und unfallbedingte Absenzen entfällt. Kein Modell, kein Multiplikator, keine Annahme ausser den fünf Zahlen, die Sie oben sehen und ändern können.

Ergebnis: Ihr Kostenvolumen

CHF 960’692Direkte Absenzkosten pro Jahr, bei 18 % LohnnebenkostenBandbreite bei 15 bis 22 % Lohnnebenkosten: CHF 936’267 bis CHF 993’257
CHF 3’843je Vollzeitstelle und Jahr
CHF 452rechnerische Kosten eines AbsenztagsBandbreite: CHF 441 bis CHF 467
2’125Absenztage im Jahr, gesamt

Vergleich: Gesamtwirtschaft (Durchschnitt) liegt bei 8,5 Absenztagen je Vollzeitstelle. Ihr Wert von 8,5 Tagen liegt auf diesem Wert. Wir rechnen daraus bewusst kein Einsparpotenzial aus. Ein Branchendurchschnitt ist kein erreichbares Ziel, sondern eine Verteilung.

Szenario 1: Wer trägt welchen Teil? Lohnfortzahlung und Krankentaggeld

Innerhalb der Wartefrist trägt der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung vollständig, danach übernimmt die Krankentaggeldversicherung den vereinbarten Leistungsgrad. Wie sich Ihre Absenztage auf diese beiden Bereiche verteilen, weiss nur Ihre eigene Falldatenbank: viele kurze Fälle liegen ganz innerhalb der Wartefrist, wenige lange Fälle dominieren die Tage. Deshalb ist der Anteil eine Eingabe und keine Vorgabe. Die Prämie selbst ist hier nicht enthalten.

Szenario: davon vom Arbeitgeber getragen CHF 192’138 pro Jahr. Formel: Wartefristtage × Tageskosten + übrige Tage × Tageskosten × (1 − Leistungsgrad).

Szenario 2: indirekte Kosten, wenn Sie einen Multiplikator setzen

Ersatzpersonal, Überstundenzuschläge, Führungszeit, Fehler- und Qualitätskosten, Folgeabsenzen durch Überlastung. Im Schweizer Markt zirkulieren Zuschläge von 100, 150 und 250 Prozent der direkten Kosten, durchwegs als «Erfahrungswert» und ohne Herleitung. Wir setzen deshalb keinen Wert vor. Was Sie hier eingeben, ist Ihre Annahme, nicht unsere, und das Ergebnis heisst konsequent Szenario und nicht Kosten.

Szenario: indirekte Kosten CHF 0, Szenariosumme CHF 960’692 pro Jahr.

Warum Ihr Tageswert nicht wie die Zahlen aus dem Markt aussieht

Ihr Modell ergibt oben rechnerisch CHF 452 pro Absenztag. Im Schweizer Markt kursieren für dieselbe Grösse Werte von rund CHF 300 bis über CHF 1'000. Der Unterschied ist keine Erkenntnis, sondern eine Rechenkonvention: der tiefe Wert ist der reine Lohn, der hohe Wert ist derselbe Lohn multipliziert mit einem nirgends offengelegten Zuschlag für indirekte Kosten. Wer beide Zahlen nebeneinander stellt, ohne den Multiplikator zu nennen, vergleicht nichts.

Was dieser Rechner nicht tut

Dieser Rechner zeigt Ihr Kostenvolumen, nicht Ihr Einsparpotenzial. Wie viel davon durch betriebliche Gesundheitsmassnahmen beeinflussbar ist, lässt sich für ein einzelnes Unternehmen nicht seriös vorhersagen: die beste verfügbare Studienlage ist dazu widersprüchlich. Wir rechnen Ihnen deshalb keine Einsparung vor.

Warum dieser Rechner anders gebaut ist

  • Die Formel steht auf der Seite, mit Ihren Zahlen eingesetzt, samt Arbeitstagebasis und jedem Multiplikator.
  • Die Branchenauswahl verändert das Ergebnis wirklich. Wir bieten nur Branchen an, für die ein publizierter Wert des Bundesamts für Statistik vorliegt.
  • Das Ergebnis ist eine Bandbreite, keine einzelne selbstsichere Zahl.
  • Jeder Vorgabewert trägt Quelle und Jahr direkt am Feld.
  • Es gibt keine E-Mail-Schranke und keine Übermittlung. Der Rechner läuft in Ihrem Browser.
  • Er gibt kein Sparpotenzial aus. Er zeigt ein Kostenvolumen. Das ist der Unterschied zwischen einer Rechnung und einem Verkaufsargument.

Was tatsächlich belegt ist

Eine ehrliche Seite darf nicht nur negativ sein. Das Folgende ist das, was wir behaupten können, jeweils mit Quelle. Und darunter das, was nach derselben Quellenlage nicht funktioniert.

Vorsorge am Arbeitsplatz erhöht die Zahl der Menschen, die eine Untersuchung tatsächlich wahrnehmen. In einer systematischen Übersicht über 21 Studien zu Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs erreichte ein erheblicher Teil der Massnahmen Steigerungen von über 30 % bei Wissen und Inanspruchnahme. Die Autorinnen fassen zusammen, dass solche Massnahmen die Inanspruchnahme wirksam erhöhen können.

Das ist die zentrale Aussage, auf der unser Modell steht. Sie bedeutet nicht, dass dadurch die Sterblichkeit sinkt. Das wäre eine andere und nicht belegte Behauptung.

Gut belegt

Quelle: Mon HM, Robb KA, Demou E, BMC Cancer, Effectiveness of workplace cancer screening interventions: a systematic review (2024)21 Studien aus 13’426 gesichteten. Die Autorinnen nennen selbst einen wahrscheinlichen Publikationsbias und die Beschränkung auf englischsprachige Studien.

Aussagen, die wir mit Quelle vertreten, und die Einordnung ihrer Evidenz.
AussageEvidenzQuelle
Vorsorge am Arbeitsplatz erhöht die Inanspruchnahme von Früherkennung.Gut belegtMon, Robb und Demou, BMC Cancer, 2024
Programme erhöhen den Anteil der Beschäftigten, die überhaupt eine Hausärztin oder einen Hausarzt haben.Gut belegtReif u. a., JAMA Internal Medicine, 2020
Zielgerichtete Betreuung von Menschen mit bereits bestehender Erkrankung spart Kosten; allgemeine Lifestyle-Angebote nicht.Gut belegtCaloyeras u. a., Health Affairs, 2014
Bewegungsprogramme können Fehlzeiten wegen muskuloskelettaler Beschwerden senken, mit steigender Intensität deutlicher.Gut belegtiga.Report 40, 2019
Kognitiv-behaviorale Ansätze, Führungskräftetrainings, Entstigmatisierung und Massnahmen gegen Mobbing zeigen positive Effekte.Gut belegtiga.Report 40, 2019
Achtsamkeitsbasierte Angebote: mehrheitlich positive Studienlage, aber in einer grossen Feldstudie ohne messbaren Effekt.Umstritteniga.Report 40, 2019 gegen Fleming, 2024
Reine Wissensvermittlung im Unterrichtsformat, klassische Rückenschulen bei Gesunden und einfache Bewegungsübungen am Arbeitsplatz.Nicht belegtiga.Report 40, 2019
Ein allgemeiner, undifferenzierter Gesundheits-Check senkt die Sterblichkeit.Nicht belegtCochrane, Krogsbøll u. a., 2019

Wo wir Ihnen von einem Angebot abraten

Zur Vollständigkeit gehört, dass wir die schwächeren Stellen des eigenen Portfolios benennen. Für die Reihenuntersuchung symptomfreier Erwachsener gilt:

  • Schilddrüsen-Sonografie: die US-amerikanische Preventive Services Task Force vergibt den Empfehlungsgrad D und rät vom Screening bei symptomfreien Erwachsenen ab, weil der Schaden den Nutzen überwiegt. Sinnvoll ist die Untersuchung bei Symptomen oder konkretem Anlass, nicht als Krebsvorsorge für alle. USPSTF, 2017
  • Melanom-Screening als Blickdiagnose: dieselbe Stelle vergibt den Grad I, die Evidenz reicht für eine Nutzen-Schaden-Abwägung nicht aus. Als Risikoeinschätzung und dermatologische Triage bei erhöhtem Risikoprofil ist die Untersuchung sinnvoll; als bevölkerungsweite Reihenuntersuchung ist ein Nutzen auf die Sterblichkeit nicht gezeigt. Europäische und Schweizer Fachgesellschaften beurteilen dies teilweise günstiger als die US-Stelle. USPSTF, 2023
  • Der allgemeine Rundum-Check: nach einer Cochrane-Übersicht mit 251’891 Teilnehmenden haben allgemeine Gesundheitschecks bei Erwachsenen wenig oder keinen Effekt auf die Gesamtsterblichkeit und auf die Krebssterblichkeit. Deshalb verkaufen wir keinen Rundum-Check, sondern risikostratifizierte, leitliniennahe Module.

Am besten belegt im Portfolio ist die Darmkrebsvorsorge: empfohlen ab 50, Test alle zwei Jahre oder Koloskopie alle zehn Jahre, und seit dem 1. Juli 2025 von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung bis zum Alter von 74 vergütet. Krebsliga Schweiz. Diese Haltung deckt sich mit der Schweizer Initiative smarter medicine, die vor Überdiagnostik durch unselektierte Check-ups warnt.

Der Business Case, den wir vertreten

Was bleibt, wenn man die Renditebehauptung streicht? Fünf Argumente, von denen keines eine Kostenersparnis voraussetzt.

1. Zugang und Inanspruchnahme
Die Schweiz kennt kein organisiertes nationales Vorsorgeprogramm für Erwachsene. Der Zugang ist fragmentiert und die Beteiligung tief. Ein Angebot am Arbeitsplatz beseitigt drei Hürden gleichzeitig. Dies ist die einzige Kernaussage unseres Modells mit guter Studienlage.
2. Ergebnisse für die Menschen mit einem Befund
Messbar und aggregiert berichtbar: Anteil mit auffälligem Befund, Anteil mit einem neu entdeckten Risikofaktor, Anteil mit Hausarztanbindung, Anteil, der die Empfehlung nach drei Monaten umgesetzt hat. Das sind echte Ergebnisse, ohne dass irgendjemand eine Franken-Zahl erfinden muss.
3. Arbeitgeberattraktivität und Bindung
Ein legitimes Argument in einem engen Arbeitsmarkt, messbar über eNPS, Austrittsgespräche und Bewerbungszahlen. Dazu gehört ein unbequemer Befund: die Illinois-Studie legt nahe, dass ein Teil des in älteren Studien gemessenen Nutzens ein Zusammensetzungseffekt war, also die Anziehung und Bindung gesünderer Mitarbeitender. Wir nennen das, weil es zur Vollständigkeit gehört.
4. Fürsorgepflicht und Gesundheitsschutz
Ein freiwilliges Gesundheitsangebot ersetzt weder die Pflichten aus dem Arbeitsgesetz noch die Beizugspflicht für Arbeitssicherheit. Es tritt daneben und zahlt auf die Fürsorgepflicht ein. Was rechtlich Pflicht ist und was freiwillig, trennen wir sauber.
5. Datenschutz als Risikovermeidung
Eine Architektur, in der der Arbeitgeber Einzelergebnisse gar nicht erhalten kann, ist kein Nice-to-have. Sie ist das, was das Projekt scheitern lässt, wenn sie fehlt, und in der Schweiz ist sie zwingendes Recht, nicht Firmenpolitik.

Wie wir messen, und was wir nicht behaupten

Wir unterscheiden konsequent zwischen Kennzahlen, die uns zurechenbar sind, und solchen, die es nicht sind. Prozesskennzahlen wie Slot-Auslastung, Teilnahmequote und Reichweite in der Zielgruppe sind vollständig zurechenbar. Ergebniskennzahlen auf Teilnehmendenebene sind zurechenbar, aber nur aggregiert berichtbar. Organisationskennzahlen wie Absenzenquote und Fluktuation berichten wir gerne, aber:

Kennzahlen der Stufe 3 berichten wir, aber wir behaupten nicht, dass wir sie verursacht haben. Ein einzelnes Unternehmen ohne Kontrollgruppe kann das nicht zeigen, und wer es behauptet, rechnet Ihnen etwas vor.

Das vollständige Kennzahlenmodell mit allen drei Stufen, dem Berichtsrhythmus und der Mindestgruppengrösse steht im Dossier zur Einführung.

Häufige Fragen

Nein. Der meistzitierte Durchschnittswert der Branche liegt bei 2,7. Er stammt aus 47 Einzelwerten mit einer Spannbreite von minus 3,3 bis 15,6 und sinkt in den methodisch besten Studien auf 1,8. In randomisiert-kontrollierten Studien zeigt über die Hälfte der Untersuchungen gar keine Ersparnis. Die Autoren des Berichts sprechen selbst von «begrenzter Evidenz».

Wer Ihnen unter diesen Voraussetzungen eine Rendite zusagt, kennt die Literatur nicht oder verschweigt sie. Wir sagen Ihnen stattdessen zu, welche Kennzahlen wir messen und welche wir nicht kausal auf uns zurückführen werden.

Quellen

Jede Zahl auf dieser Seite ist auf eine dieser Quellen zurückführbar. Angaben, die wir für diese Seite nicht bis zum Primärdokument prüfen konnten, stehen nicht darauf.

  1. Bundesamt für Gesundheit (BAG), Bericht von ZHAW WIG, Universität Luzern und BFH Kosten der übertragbaren und nichtübertragbaren Krankheiten sowie Kosten der Risikofaktoren Übergewicht/Adipositas und Bewegungsmangel in der Schweiz, Schlussbericht Version 2.0 2025, Daten 2022Humankapital-Ansatz. Der Präsentismus wurde mangels eigener Statistik allein aus der Job-Stress-Umfrage geschätzt; 41,2 % der Präsentismus-Verluste liessen sich keiner Ursache zuordnen.https://www.bag.admin.ch/dam/de/sd-web/8GeOHCgqQkN0/kosten-ncd-in-der-schweiz.pdf
  2. Bundesamt für Statistik (BFS) Arbeitsvolumenstatistik (AVOL), Absenzen 2025, Daten 2024https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/erwerbstaetigkeit-arbeitszeit/arbeitszeit/absenzen.html
  3. Bundesamt für Statistik (BFS) Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) 2024 2025, Daten 2024Medianlohn CHF 7’024 brutto pro Monat, Vollzeitäquivalent, Gesamtwirtschaft.https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/aktuell/neue-veroeffentlichungen.assetdetail.36195847.html
  4. Gesundheitsförderung Schweiz, mit Universität Bern und ZHAW Job-Stress-Index 2022, Daten 2022Der Index wurde 2022 bis 2025 methodisch überarbeitet. Die Ergebnisse der Erhebung 2026 sind für das erste Quartal 2027 angekündigt.https://friendlyworkspace.ch/de/themen/arbeitsbedingter-stress/studie-job-stress-index
  5. Gesundheitsförderung Schweiz und Schweizerischer Versicherungsverband; Evaluation ISPM Universität Zürich, ETH Zürich, WIG ZHAW Projekt SWiNG, Schlussbericht der Evaluation 2011, Daten 2008 bis 20118 Betriebe, über 5’000 Mitarbeitende. Die Feldphase ist heute über 15 Jahre her.https://friendlyworkspace.ch/system/files/documents/2022-11/2011-07_Projekt_SWiNG_Schlussbericht_-_Zusammenfassung.pdf
  6. Gesundheitsförderung Schweiz Wie verbreitet ist betriebliches Gesundheitsmanagement in der Schweiz? Monitoring-Ergebnisse 2024, Faktenblatt 116 2025, Daten 2024Befragung von 1’159 Betrieben ab 10 Mitarbeitenden von 4’446 angeschriebenen, Rücklauf 26 %, Feldzeit Mai bis Juli 2024, durchgeführt von YouGov Schweiz für die FHNW.https://gesundheitsfoerderung.ch/sites/default/files/2025-04/Faktenblatt_116_GFCH_2025-04_-_BGM_in_Schweizer_Betrieben.pdf
  7. Initiative Gesundheit und Arbeit (iga), Barthelmes I, Bödeker W, Sörensen J u. a. iga.Report 40: Wirksamkeit und Nutzen arbeitsweltbezogener Gesundheitsförderung und Prävention 2019, Daten Studien 2012 bis 201849 systematische Reviews mit über 900 Einzelstudien. iga wird von den deutschen gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherern getragen, nicht von Anbietern.https://www.iga-info.de/veroeffentlichungen/igareporte/igareport-40
  8. Initiative Gesundheit und Arbeit (iga), Sockoll I, Kramer I, Bödeker W iga-Report 13: Wirksamkeit und Nutzen betrieblicher Gesundheitsförderung und Prävention, Evidenz 2000 bis 2006 2008, Daten 2000 bis 2006https://www.von-herzen-gesund.de/wp-content/uploads/iga-Report_13_Wirksamkeit_Gesundheitsfoerderung_Praevention_Betrieb.pdf
  9. Jones D, Molitor D, Reif J, Quarterly Journal of Economics 134(4):1747-1791 What Do Workplace Wellness Programs Do? Evidence from the Illinois Workplace Wellness Study 2019Randomisierte kontrollierte Studie, n = 4’834, Arbeitgeber mit über 12’000 Beschäftigten, Teilnahmequote über 56 %, präregistriert (AEARCTR-0001368) und unabhängig repliziert.https://academic.oup.com/qje/article/134/4/1747/5550759
  10. Song Z, Baicker K, JAMA 321(15):1491-1501 Effect of a Workplace Wellness Program on Employee Health and Economic Outcomes 2019Cluster-randomisiert über 160 Standorte, 32’974 Beschäftigte, 18 Monate. Finanziert von NIA, Robert Wood Johnson Foundation und J-PAL, nicht von der Branche.https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2730614
  11. Reif J u. a., JAMA Internal Medicine Effects of a Workplace Wellness Program on Employee Health, 24-Monats-Nachbeobachtung 2020https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32453346/
  12. Fleming WJ, Industrial Relations Journal 55(2):162-182 Employee well-being outcomes from individual-level mental health interventions 2024Querschnittsstudie mit über 46’000 Beschäftigten in 233 Organisationen. Nicht randomisiert: Selbstselektion lässt sich nicht ausschliessen.https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/irj.12418
  13. Thonon F u. a., European Journal of Public Health 33(4):612-618 Return on investment of workplace-based prevention interventions: a systematic review 2023141 Artikel, 138 Interventionen.https://academic.oup.com/eurpub/article/33/4/612/7192365
  14. Baicker K, Cutler D, Song Z, Health Affairs 29(2):304-311 Workplace Wellness Programs Can Generate Savings 2010Metaanalyse überwiegend nicht randomisierter Studien.https://www.healthaffairs.org/doi/10.1377/hlthaff.2009.0626
  15. Caloyeras JP, Liu H, Exum E, Broderick M, Mattke S, Health Affairs 33(1):124-131 Managing Manifest Diseases, But Not Health Risks, Saved PepsiCo Money Over Seven Years 2014https://www.healthaffairs.org/doi/abs/10.1377/hlthaff.2013.0625
  16. Mattke S u. a., RAND Corporation, RR-254-DOL Workplace Wellness Programs Study: Final Report 2013https://www.rand.org/pubs/research_reports/RR254.html
  17. Chapman LS, The Art of Health Promotion / American Journal of Health Promotion Meta-Evaluation of Worksite Health Promotion Economic Return Studies: 2012 Update 2012Der Autor ist zugleich Geschäftsführer des Chapman Institute und Herausgeber der Publikationsreihe, in der die Auswertung erschien.https://chapmaninstitute.com/wp-content/uploads/2014/09/O-07_Meta-Evaluation_2012_Update.pdf
  18. Mon HM, Robb KA, Demou E, BMC Cancer Effectiveness of workplace cancer screening interventions: a systematic review 202421 Studien aus 13’426 gesichteten. Die Autorinnen nennen selbst einen wahrscheinlichen Publikationsbias und die Beschränkung auf englischsprachige Studien.https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11321184/
  19. Krogsbøll LT u. a., Cochrane Database of Systematic Reviews, CD009009.pub3 General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease 201915 Studien, 251’891 Teilnehmende.https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD009009.pub3/full
  20. U.S. Preventive Services Task Force Thyroid Cancer: Screening, Empfehlungsgrad D 2017https://www.uspreventiveservicestaskforce.org/uspstf/recommendation/thyroid-cancer-screening
  21. U.S. Preventive Services Task Force Skin Cancer: Screening, Empfehlungsgrad I 2023https://www.uspreventiveservicestaskforce.org/uspstf/recommendation/skin-cancer-screening
  22. Techniker Krankenkasse, IFBG und Haufe #whatsnext 2025, Erfolgsfaktoren im betrieblichen Gesundheitsmanagement 2025n = 1’529 Organisationen, Befragung Januar bis Februar 2025. Deutsche Daten, in Euro und im Kontext des deutschen Sozialrechts.https://www.tk.de/resource/blob/2197646/74c9dbc71dac772c8cd5d7bb71d2729b/whatsnext-2025-data.pdf
  23. Gesundheitsförderung Schweiz Auftrag, Ziele und Strategie der Stiftung (Art. 19 und 20 KVG) 2026https://gesundheitsfoerderung.ch/stiftung/auftrag-ziele-strategie
  24. Krebsliga Schweiz Darmkrebs: Früherkennung, und Ausdehnung der OKP-Vergütung bis Alter 74 ab 1. Juli 2025 2025https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/frueherkennung/darmkrebs/
  25. smarter medicine, Choosing Wisely Switzerland Über die Top-5-Listen 2026https://www.smartermedicine.ch/de/top-5-listen/ueber-top-5-listen

Deutsche Erhebungen sind als solche gekennzeichnet. Sie sind der Richtung nach auf die Schweiz übertragbar, in absoluten Werten nicht: Sozialrecht, Kostenstruktur und Lohnniveau unterscheiden sich.